Ein Traum von Urlaub! Die Trends 2021!


Ich schließe meine Augen, atme tief ein und mir ist so, als könne ich es schon beinahe hören. Das Meer. Dieses Rauschen, diese einzigartige Melodie, die in meinem Herzen sofort Ruhe und Raum erzeugt. Die salzige Luft reinigt mich von innen, kratzt all die Sorgen eines zurückliegenden Jahres aus meinem Körper heraus. Ein seltsames Jahr liegt hinter uns, ein Jahr, in dem die meisten schwulen Männer lieber zu Hause geblieben sind, als durch die Welt zu reisen.

Wenn sie sich dann doch aufmachten, trieb es sie statistisch gesehen vor allem an die Ostseeküste. Mecklenburg-Vorpommern war das meistbesuchte Bundesland 2020 (Allensbacher Marktanalyse). Wenn es einen schwulen Mann trotz Covid-19 ins Ausland trieb, landete man mehrheitlich in Spanien, auch gerade über die Weihnachtsfeiertage waren Inseln wie Gran Canaria und Teneriffa gut besucht. Man entfloh der Kälte und der Isolation der zweiten Welle der Pandemie.


In diesem Jahr nun erhofft sich die ganze Welt eine schrittweise Rückkehr zur Normalität. Es wird noch einige Monate dauern, bis signifikante Teile der Bevölkerung gegen das Virus geimpft sein werden und auch dann wird wohl ein gewisses Maß an Vorsichtsregeln noch gegenwärtig bleiben, aber trotzdem dürfen wir wieder träumen und erste Pläne schmieden. Also, doch endlich wieder der Cocktail am Strand? Oder wollen wir eine pulsierende Stadt erobern? Oder doch lieber fremde Kulturen kennenlernen? Männer küssen mit salzigen Lippen, die sich so ganz anders anfühlen als die Jungs zu Hause?


Blickt man sich in der Branche um, überraschen die Trends für das Jahr durchaus ein wenig und erfreuen auf der anderen Seite sehr. Auch ohne Corona wird es wohl keine einfache Rückkehr zur Normalität sein. Covid-19 hat nebst all seinem Schrecken auch gezeigt, wozu wir alles fähig sind, wenn wir nur wollen. Die nach wie vor allgegenwärtige Klimakrise beschäftigt so auch die Reiseveranstalter und vor allem die Reisenden selbst.

Gerade schwule Männer setzen 2021 nach Informationen von Branchenkennern auf Nachhaltigkeit. Ein zweiter Aspekt wird eine Rückbesinnung auf die Natur sein. Vielleicht auch gerade deshalb, weil wir aktuell genug haben von Städten und großen Menschenmengen, zieht es immer mehr Homosexuelle dieses Jahr lieber ins Grüne, in die Wildnis und an Orte, wo raue und unberührte Natur den Blick weitet und man die Seele baumeln lassen kann. Der schnelle Trip in eine fremde Stadt wird dagegen weniger werden. Kurze Wege und generell das Entdecken der Vielfältigkeit von Europa wird die Mehrzahl der schwulen Männer 2021 begeistern können.


Ein weiterer Punkt sind Individual-Reisen: Die von A bis Z durchgeplante Billigreise tritt ihren Rückzug an, lieber einfach einmal mit dem Caravan drauf losfahren und neue eigene Wege entdecken. Die Lust am spontanen, am kreativen und freien Reisen wird stark zunehmen. Erlebnisse sollen künftig individuell und einzigartig sein, ungeplant und gerade dadurch besonders. So besteht zudem auch die Möglichkeit, dass wir uns selbst in diesem Jahr gestatten, Erfahrungen zu sammeln, die tiefer gehen und länger anhalten, als das die meisten Pauschalreisen in der Regel vermögen.

Wer tief in den Geldbeutel greifen und zudem Europa den Rücken kehren will, wird sich eines jener Ziele suchen, wo der Virus bereits 2020 nur in geringem Maße wütete. Im Trend liegt, sich für gutes Geld luxuriös abzuschotten und sich seine eigene kleine Welt zu errichten. Wie wäre es zum Beispiel mit der Pacht einer eigenen kleinen Insel auf den Seychellen? Fürwahr, die Zahl der Flugreisen wird dadurch wieder ansteigen – so gänzlich klimafreundlich werden wir 2021 nicht.


Doch trotzdem scheint ein Umdenken bereits vonstatten zu gehen und es bleibt abzuwarten, ob die Erfahrungen eines Jahres, in dem wir uns immer mal wieder zu Hause eingesperrt gefühlt haben, langfristig unser Reiseverhalten ändern werden, und vielleicht sogar uns die Erkenntnis erlauben, Reisen generell mehr wertzuschätzen, als wir das stellenweise zuvor getan haben. Die Reise selbst, egal wohin sie uns dieses Jahr führen mag, das bewusste Erleben und sich daran erfreuen, wird der neue Kern unseres Empfindens sein.

Gestärkt durch die Erfahrungen des alten Jahres werden wir andere Sitten, Gerüche, Geräusche, Eindrücke, Berührungen und Männer intensiver und lustvoller erleben dürfen. Sei es nun der Traum eines Meeresrauschens oder die Stille und Weite einer Landschaft, die sich erhaben vor uns öffnet. Wir reisen wieder mehr für uns selbst und nicht für gestellte Instagram-Selfies für die Zuhause-gebliebenen Follower. 2021 kann unsere Reiselust völlig neu bereichern. Oder wie sagte es der Schriftsteller Kurt Tucholsky so schön: „Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an.“


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