Berlin: Private Sexpartys in Corona-Zeiten?


Lockdown never ending? Eben erst wurde der Lockdown bis Mitte April verlängert – ein definitives Ende ist wohl noch nicht in Sicht. Für alle Menschen in der Community ist diese Zeit sehr schwer. Keine privaten Feiern, keine großen Partys und auch die beliebten Wochenendtreffs wie Clubs und Bars sind seit gut einem Jahr nahezu ununterbrochen zu. Auch die Netflix- und Amazon-Angebote sind alle durchgeschaut und nach und nach breitet sich auch in Teilen der LGBTQ-Community der Ärger darüber aus, dass in puncto Impfstrategie, Maskenbeschaffung und Schnelltests Deutschland nicht so richtig vom Fleck kommt – die politischen Fehler häufen sich. Der Frust ist hoch und jeder wünscht sich, sein altes und normales Leben zurückzuhaben.

Erneut kämpfen wir auch mit einem Anstieg der Inzidenzzahlen und müssen Einschränkungen hinnehmen. Die Ostertage werden jetzt zur "Ruhezeit", wo einstmals in dieser Jahreszeit noch beispielsweise Easter Berlin gefeiert wurde, eine der größten Fetischveranstaltungen Europas. Auch innerhalb der LGBTQ-Community bedarf es also eines langen Atems, Durchhalten ist angesagt. Die meisten Menschen in der Community halten sich auch an die Beschränkungen und treffen sich höchstens im kleinsten Kreis beziehungsweise mit einzelnen Personen.

Umso dreister und ärgerlicher sind dann Meldungen von illegalen Sexpartys, die sich aktuell in Berlin häufen. Einige in der Community wollen anscheinend all die Warnungen nicht ernst nehmen und akzeptieren wohl meist aus egoistischen Gründen heraus die Regeln nicht – zum Nachteil für uns alle. Denn schwule Sexpartys in diesen Tagen sind ein wunderbares Superspreader-Event, das die Infektionszahlen weiter nach oben treibt und am Ende mit dafür verantwortlich ist, dass gerade auch schwule Clubs und Bars noch länger geschlossen bleiben und immer mehr Betreiber liebgewonnener Szeneeinrichtungen vor dem finanziellen Ruin stehen.


So kam es wohl an den letzten Wochenenden immer wieder in Berlin zu solchen illegalen Sexpartys, bei denen Corona-Schutzverordnungen bewusst ignoriert wurden. In kleinen Privat-Wohnungen oder extra angemieteten Ferienwohnungen haben sich in den letzten Wochen wohl mehrmals auf engstem Raum zwischen 30 und 300 schwule Männer zu einer Sexparty getroffen.  

Zuletzt geschehen am letzten Wochenende (20./21. März): Am Sonntag gegen 4:45 Uhr morgens bekam die Polizei Berlin einen Bürgerhinweis, wonach in einer Wohnung in der Dunckerstraße im Prenzlauer Berg laute Musik und mehrere Stimmen zu hören seien. Erst nach mehrmaligem Klingeln und Klopfen an der besagten Wohnung wurde diese aufgemacht. Die beiden Gastgeber, zwei Männer im Alter von 33 Jahren, haben die Polizei Berlin freiwillig in die Wohnung gelassen. In der 100 Quadratmeter großen Wohnung trafen die Polizeibeamten 58 Männer an, die nur sehr leicht bekleidet oder gänzlich nackt waren.

Von allen Anwesenden wurden die Personalien aufgenommen und die Party wurde von der Polizei aufgelöst. Gegen die Beteiligten wird nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren im Rahmen des „Bußgeldkatalog zur Ahndung von Verstößen im Bereich des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) in Verbindung mit der Zweiten SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung in Berlin“ eingeleitet. Hiernach hat jeder Teilnehmer ein mögliches Bußgeld von 1.000 bis 10.000 Euro zu erwarten. Die genaue Bußgeldhöhe liegt im Ermessen der zuständigen Verwaltungsbehörde und berücksichtigt mehrere Punkte: das Ausmaß der durch die Tat entstandenen Gefahren für die öffentliche Gesundheit, ob der Täter oder die Täterin fahrlässig gehandelt hat, sich uneinsichtig zeigt oder ein Wiederholungsfall vorliegt und ob und wenn ja in welcher Höhe der Täter oder die Täterin einen wirtschaftlichen Vorteil aus der Tat gezogen hat.

Beispielbild - Copyright Helix Studios

Im Falle der beiden Gastgeber der Party, die wohl extra zu diesem Zweck diese Wohnung angemietet hatten, kann ein höheres Bußgeld angesetzt werden.

Nach Informationen aus dem Täterumfeld soll mindestens eine Person bei der Sexparty dabei gewesen sein, die erst ein Wochenende zuvor bereits eine eigene Sexparty durchgeführt hatte und die ebenfalls von der Polizei aufgelöst worden war. Auch hier wurden die Teilnehmenden polizeilich erfasst. Der Wiederholungstäter kann mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro geahndet werden.  

Im Gespräch mit der Redaktion betont die Polizei Berlin, dass zum Tatzeitpunkt und bei der Aufnahme der Personalien keine sexuelle Identität der 58 Männer erhoben wurde. Da die Informationen der Redaktion mit den Informationen der Berliner Polizei übereinstimmen, kann man allerdings sehr gesichert davon ausgehen, dass es sich um eine Sexparty unter schwulen Männern gehandelt hat.

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