Diskriminierung im Job!


Nach der Ehe für alle und vielen weiteren rechtlichen Gleichberechtigungen für die LGBTI+-Community könnte man meinen, dass es im privaten wie auch beruflichen Umfeld keine Probleme mehr gibt.

Dennoch gibt es diese Probleme, gerade wenn man in einem Beruf mit einer hohen Heteronormativität arbeitet. Eine gemeinsame Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) und der Universität Bielefeld hat die Arbeitssituation von homosexuellen, bisexuellen sowie trans-, queer und intersexuellen (LGBTQI+) Menschen in Deutschland untersucht. 30 Prozent der befragten LGBTI+-Arbeitnehmer und 40 Prozent der Transpersonen erfahren Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Dabei wurden auch die einzelnen Branchen genauer in den Fokus genommen und festgestellt, dass im produzierenden Gewerbe nur rund 57 Prozent der Arbeitnehmer sich gegenüber ihren Kollegen outen können. Die Berufsbranche des Gesundheits- und Sozialwesens schneidet mit einer Outing-Rate von fast 75 Prozent besser ab. Dies legt für die Autorinnen der Studie den Schluss nahe, dass LGBTI+-Menschen bestimmte Branchen meiden, weil sie dort mehr Diskriminierung befürchten. Insgesamt sind rund 70 Prozent der Befragten vor Kollegen, aber nur 60 Prozent vor Vorgesetzten geoutet.


Aber woran liegt es, dass Arbeitgeber mit einem LGBTI+-Hintergrund sich nicht gegenüber ihren Kollegen und Vorgesetzten so zeigen können, wie sie in Wirklichkeit sind?

Oft hängt es an den Unternehmen selbst und daher rät die Stufenleiterin Lisa de Vries von der Universität Bielefeld: „Unternehmen sollten ein diskriminierungsarmes Arbeitsumfeld schaffen, damit Arbeitsplätze für diese Zielgruppe attraktiver werden.“ Ein weiterer Faktor ist, dass LGBTI+-Menschen sehr oft einen hohen Bildungsabschluss haben und für viele Unternehmen sehr attraktiv sind. Jedoch haben laut der Studie gerade LGBTI+-Menschen auch hohe Erwartungen an ihr Arbeitsumfeld, daher ist das Arbeitsklima ein wichtiger Faktor in ihrer Unternehmensauswahl. 

„Wenn LGBTQI*-Menschen bestimmte Branchen und Unternehmen meiden, sie gleichzeitig aber höher gebildet sind, dann sollte allein schon diese Erkenntnis ein Anreiz für Unternehmen sein, ein diskriminierungsarmes Arbeitsumfeld zu schaffen, damit Arbeitsplätze für diese Zielgruppe attraktiver werden“, so die Studienautorin Lisa de Vries weiter.


Viele große Unternehmen in Deutschland haben diese Studienerkenntnisse schon lange erkannt und haben inzwischen ein gutes und sehr umfangreiches Diversity-Management aufgebaut. Mit Hilfe betriebsinterner LGBTI+-Netzwerke wird eine Unternehmenskultur geschaffen, die für LGBTI+-Menschen sehr attraktiv ist. Gerade Unternehmen mit einem amerikanischen Hintergrund und einer sehr starken internationalen und multikulturellen Mitarbeiterstruktur sind Vorreiter, weil zum Beispiel in den USA das Thema Diversity eine tragende Säule der Unternehmenskultur ist.

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung des Bundesverbandes mittelständige Wirtschaft (BMVW) und Direktor Politik Europa, Patrick Meinhard, sieht noch weitere Eckpunkte, die es zu beachten gibt:„Ich halte es für dringend notwendig, dass man, um konkret Veränderungen zu erreichen, sehr stark nach Industrie, mittleren und kleinen Unternehmen und der Frage der städtischen und ländlichen Struktur differenzieren muss. Ich bin mir sicher, dass in den meisten Unternehmen des Mittelstandes eine sehr liberale Grundhaltung existiert. Nur darf es jetzt nicht einfach bei irgendwelchen Stellungnahmen bleiben und dann warten wir wieder die nächste Studie ab und schütteln wieder den Kopf.“

Erfahrungsgemäß beschäftigen sich meist nur die Antidiskriminierungsstellen der Länder und des Bundes mit solchen Studien. Gerade im Bundeswirtschaftsministerium ist das Thema nicht angesetzt, jedoch sollte diese wichtige Studie nicht nur vom Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf die Agenda gesetzt werden, sondern auch von den Wirtschaftsministerien der Bundesländer - in Zusammenarbeit mit erfahrenen Verbänden wie dem Völklinger Kreis und Prout-at-Work. Gemeinsam mit den Berufskammern muss eine Strategie erarbeitet werden, um die, in der Studie beschriebene Diskriminierung von LGBTI+-Menschen endlich zu beenden.

Autor: Sebastian Ahlefeld

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