David Sedaris: Sex? Nein danke!


David Sedaris gehört zu den ganz großen schwulen Bestellerautoren Amerikas. Er hat über ein Dutzend Bücher geschrieben, die sich thematisch zumeist um sein Leben mit seinem Partner Hugh, seiner exzentrisch bis verrückten griechischen Familie und seinen ganz privaten Ticks drehen. Von letzteren hat der Essayist eine ganze Menge. Beispiel gefällig? In seinem ersten Besteller „Nackt“ beschreibt er ausführlich, wie er es als Kind partout nicht lassen konnte, Türknäufe abzulecken. Besser wurde es seitdem nicht mit seinen Zwangsstörungen – doch zur großen Freude seiner Fans teilt er sie mit uns und hält uns dabei augenzwinkernd selbst den Spiegel vor.

Bevor der große Publikumserfolg kam, arbeitete er als Autor fürs Radio und verdiente sich mit allerlei Nebenjobs sein Geld – auch einmal als Elfendarsteller im berühmten New Yorker Kaufhaus Macy´s. Inzwischen liegt das alles weit zurück, er wurde vom Time Magazine zum Humorist des Jahres ausgezeichnet und lebt derzeit mit seinem Partner Hugh abwechselnd in Paris, London und einem Landhaus in der Normandie und zückt seine Feder gerne für die New York Times, den New Yorker und das Esquire Magazine. Sein aktuelles Buch „Calypso“ (Blessing Verlag) wurde natürlich ebenso ein Besteller.

Herr Sedaris, in all ihren Büchern sind sie stets sehr persönlich. Gibt es auch etwas, über das sie nur ungern schreiben würden?

Ich schreibe nicht über Sex. Das ist mir einfach zu persönlich. Und ganz ehrlich, ich möchte auch nicht von einem anderen Menschen lesen, wie er Sex hat. Ansonsten schreibe ich viel über mein Leben, aber ich habe nicht den Eindruck, dass die Leser deswegen wirklich so viel über mich wissen. Manchmal, da fühlt sich dein Leben einfach wie eine Geschichte an.


Nicht nur ihre Familie, auch ihr Freund Hugh kann sich immer wieder in ihren Geschichten finden. Was sagen die dazu?

Wann immer ich etwas über meine Familie schreibe, gebe ich es ihnen vorab zum Lesen. Wenn sie möchten, dass ich etwas ändern oder rauslassen soll, dann mache ich das. Und mein Freund Hugh sagt immer nur: Ich lese es dann, wenn es in deinem Buch steht.

Stellt sich für sie irgendwann die Frage nach einer Heirat mit Hugh?

Ich finde eine Heirat für mich und Hugh nicht wichtig. Ich finde es immer nur seltsam, wenn Amerikaner sagen, eine homosexuelle Ehe entwertet eine heterosexuelle. In Amerika gibt es Gameshows im Fernsehen, in denen Menschen heiraten, die sich gar nicht kennen. Paare können inzwischen in Autos heiraten und sich ein Dutzend Mal wieder scheiden lassen. Das entwertet anscheinend nicht.

Sie und Hugh sind ja schon seit vielen Jahren ein Paar – verraten sie uns das Geheimnis einer langen Beziehung?

Er hört überhaupt nicht auf das, was ich sage! Nicht auf ein einziges Wort. Und ich höre nicht auf ein Wort, das er sagt. Außerdem sehen wir uns beruflich oft lange nicht. Wenn ich manchmal auf Tour bin, rufe ich ihn an und sage: Ich vermisse dich so. Und er meint darauf: Wenn wir zusammen sind, ignorierst du mich doch und hörst mir nicht zu. Und sexuell? Nun, ich kenne viele schwule Paare, die in einer offenen Beziehung leben und das ist vollkommen in Ordnung. Wir sind monogam und das passt ebenso. 

Wie haben sie Hugh denn kennen gelernt?

Ich zog gerade nach New York und half einem Freund, eine Wohnung zu streichen. Wir brauchten dazu eine Leiter und er kannte jemanden, der so etwas hatte. Und das war Hugh. Ich sah ihn und setzte ihn sofort auf meine Wunschliste.


Was muss ein Mann denn haben, damit sie ihn faszinierend finden?

Mein Typ von Männer, auf die ich stehe, sind genau jene, die Kerle wie mich hassen. Und dann traf ich Hugh und ich respektierte ihn plötzlich. Alles, was er macht, macht er perfekt. Und er ist ein wirklich harter Arbeiter. Und natürlich sieht er fantastisch aus! Aber er weiß nicht, dass er gut aussieht. Das ist das Tolle!

Sie touren immer wieder mit ihren aktuellen Büchern durch die Lande, ab und an sind sie auch in Deutschland. Was für ein Gefühl ergreift sie, wenn sie ihre vielen Fans hautnah erleben?

Ich bin immer überwältigt bei Lesungen von dem Publikum. Und manchmal schaue ich sie alle an und frage mich: was macht ihr alle hier? Warum ich? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung!


© Bildrechte: David Sedaris Instagram

Homepage: David Sedaris

Autor / Interview: Michael Soze

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