Wem gehört der CSD?


Was für Außenstehende wie ein Sturm im Wasserglas wirkt, lässt Teile der Berliner Community gerade brodeln. Es steht die Frage im Raum: Wem gehört der CSD? Dabei ist die Antwort einfach: Uns allen!

Grundsätzlich sollte ein CSD, egal ob in Berlin oder an einem anderen Ort, allen Mitgliedern der LGBTQ-Community gehören. Hier geht die Community auf die Straße, um für ihre Rechte, für Vielfalt und gegen Diskriminierung zu demonstrieren. Es gibt kein alleiniges Patent zur Durchführung der CSD-Parade – weder in Berlin noch sonst irgendwo auf der Welt. Jede Einzelperson, jeder Verein und jede Aktionsgemeinschaft darf in Deutschland einen CSD organisieren, dazu aufrufen und am Ende mit der gesamten LGBTQ-Community auch durchführen.

In Berlin wird die Sache dabei immer mehr zu einem Politikum: Nachdem sich der alteingesessene CSD Berlin e.V. noch immer mit internen Streitereien, Machtkämpfen und stellenweise unklaren Finanzbilanzen beschäftigt, gibt es von dieser Seite bis heute weder einen neu gewählten Vorstand noch ein Konzept, wie 2021 ein möglicher CSD aussehen könnte. Die Zeit dafür, eine solche Großveranstaltung auf die Beine zu stellen, ist bereits jetzt knapp.  

Somit haben einige Mitglieder und Ehemalige des CSD Berlin e.V. sowie weitere Community-Aktivisten jetzt die Organisation dieser so wichtigen Parade für Berlin und Europa in die Hand genommen. Am 11. September 2021, dem einzig möglichen Termin für dieses Event inklusive einer Abschlussveranstaltung vor dem Brandenburger Tor, wird nun der CSD Berlin stattfinden – organisiert von dem Aktionsbündnis LGBTIQ* Berlin e.V. (mehr dazu hier)


Zudem wird es am 26. Juni bereits den CSD Berlin Pride geben, eine hybride Stern-Demo als Auftakt einer Livestream-Woche. Unter Einhaltung der geltenden Corona-Maßnahmen werden sich Einzeldemos mit verschiedenen Themenschwerpunkten aus verschiedenen Berliner Bezirken gemeinsam in Richtung Alexanderplatz bewegen. Mit der Stern-Demo möchten sich die Organisatoren der Plattform von dem Gedanken verabschieden, dass eine einzelne Institution das Monopol auf Ausrichtung einer CSD-Pride-Demonstration hat.

Die Stern-Demo ist der Auftakt für eine viertägige CSD-Pride-Week, in der sowohl die Demonstrationen live übertragen werden als auch Talks und Diskussionsrunden in Eigenregie stattfinden. Das besondere Konzept ist der Pandemie geschuldet, verspricht aber dadurch auch neue Möglichkeiten, einen CSD Pride neu und anders zu denken und auszurichten. So werden große Menschenansammlungen vermieden und trotzdem kann die LGBTQ-Community stolz Flagge zeigen. Aktuell sind drei Einzeldemos aus den Bezirken Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Schöneberg geplant.

Die Hintergründe

Der Vorläufer zur diesjährigen Stern-Demo fand 2020 statt, als klar war, dass es keinen CSD auf Berlins Straßen geben soll. Ausschließlich online für die Rechte der LGBTQ-Community einzutreten, kam für Christian Pulz, Anette Detering, Wolfgang Beyer, Nasser EL-Ahmad und Stefan Kuschner auch in der Pandemie nicht infrage. In Abstimmung mit der Versammlungsbehörde und der Polizei haben so alle Beteiligten einen CSD unter Einhaltung der geltenden Corona-Maßnahmen organisiert und mit fast 4.000 Teilnehmenden durchgeführt.

Dieses Jahr nun soll die Stern-Demo abermals im Sommer ein starkes Zeichen setzen. Verbunden mit dem CSD am 11. September könnte auch trotz Corona 2021 ein starkes Jahr für die Berliner Community werden. Und vielleicht hat dieser Gedanke auch eine mutige Signalwirkung innerhalb der Community und auch an den aktuell etwas desolaten CSD Berlin e.V. – gemeinsam lässt sich mehr erreichen. Alle Organisatoren der beiden geplanten CSDs in Berlin haben immer wieder ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekundet.

 

CSD Berlin Pride, 26-29. Juni

csdberlinpride.de


CSD Berlin, 11.September

Kontakt: Aktionsgemeinschaft LGBTIQ* Berlin e.V.

E-Mail: [email protected]-lgbtiq.de oder direkt auf Facebook.

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